"Bildungsaufbruch" zum neuen Schuljahr

Veröffentlicht am 12.09.2007 in Kreisverband

Ute Vogt auf dem Wieslocher Kreisparteitag

„Der heutige Abend hat gezeigt, dass wir Sozialdemokraten mit Herzblut streiten können – für die Sache!“ resümierte Lars Castellucci den Kreisparteitag zum Thema „Bildungsaufbruch“ in Wiesloch mit Ute Vogt.

Auch die Landes- und Fraktionsvorsitzende freute sich auf eine Veranstaltung in ihrer Heimatstadt, bei der inhaltliche Anliegen im Vordergrund stehen. Ganz konnte sie es allerdings nicht lassen, zu Beginn ihres Referats kurz auf die laute Personaldiskussion einzugehen, die in den letzten Wochen Landespartei und Öffentlichkeit bewegte. „Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne streite und Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gehe. Aber ich wünsche mir dabei einen offenen Umgang und das richtige Forum.Lasst uns solche Auseinandersetzungen doch offen auf den Veranstaltungen der Partei führen und dafür sorgen, dass auch dabei unsere inhaltlichen Arbeit im Mittelpunkt steht.“
Wie das Beispiel „Bildungsaufbruch“ zeige, gebe es hier auch auf Landesebene genug zu tun. Um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen, holte Vogt weit aus. Moderne und gerechte Bildungspolitik sei schon immer Herzenssache der Sozialdemokratie gewesen, die immer schon den Zusammenhang zwischen Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe und demokratischer Kultur erkannt habe - von den frühen Arbeiterbildungsvereinen über das allgemeine Wahlrecht bis hin zu den Schul- und Hochschulreformen der sozialliberalen Koalition.
Diesen Zusammenhang sehe man heute wieder: Einerseits steigt die gesellschaftliche Verunsicherung, andererseits zeige sich bei den verschiedenen Bildungsstudien, dass die „soziale Selektion“ an Schulen und Hochschulen wieder zunehme. Kinder von Akademikern studieren vier mal so häufig wie solche aus Arbeiterfamilien, andererseits herrscht an vielen Hauptschulen Perspektivlosigkeit und die Lehrstellensituation wird immer schlechter. Von allen diesen Entwicklungen ist auch das 'Musterländle' Baden-Württemberg nicht ausgenommen. In vielen Bereichen wirke die Landesregierung sogar eher zum schlechten.
Die zahlreichen „Modellprojekte“ in Kindergärten und Schulen seien nicht systematisch ausgewertet worden. Vor allem fehlten Konzepte, wie das ganze Bildungssystem und nicht nur einzelne Einrichtungen zukunftsfähig gemacht werden könnten. „Man bekommt das ungute Gefühl, dass hier die Kinder als 'Versuchskaninchen' vorgeführt werden sollen, anstatt dass die grundlegenden Probleme angegangen werden.“, so Vogt.
Die anschließende Diskussion mit Elternvertretern und Schulleitern zeigte, dass auch im laufenden Schuljahr bei der Ausstattung der Schulen mit Lehrern und Material nicht alles so glatt läuft, wie es die Erfolgsmeldungen der Landesregierung gerne behaupten
Diesen Punkt griff Vogt auf, bat jedoch darum, auch weiter zu denken: „Ganz klar muss zunächst einmal das Funktionieren der bestehenden Schulen gesichert werden. Es gibt auch genug Personal, viele junge Leute wollen gerne Lehrer werden, aber pro Jahr wird weiger als die Hälfte von ihnen vom Land eingestellt.“ Die vielen „Baustellen“ zeigten jedoch einmal mehr, dass man sich schnell und ohne Scheuklappen auch Gedanken über künftige Schul- und Lernformen machen müsse. „Die Betreuungssituation wird nicht alleine durch mehr Mittel für Personal verbessert werden. Dieses Personal muss auch die Möglichkeit haben, jedes einzelne Kind individuell zu fördern. So genannte Schulversager und Abbrecher können wir uns künftig nicht mehr leisten.“
Deshalb stehe im Mittelpunkt des SPD- „Bildungsaufbruchs“ ein umfassendes Konzept für gemeinsames Lernen und individuelle Förderung, das schon bei der Kleinkinderbetreuung ansetze und über neue Schulformen wie Gemeinschaftsschulen bis hin zur besseren Ausstattung mit Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeitern gehe.

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